Moment mal...
Weithin leuchtendes Gelb

Michael Bracht

W
eithin leuchtendes Gelb, als Kranz um einen tief dunkelbraunen Kreis, die Farben des Sommers schlechthin. - Auch in diesem Jahr, in dem die Verteilung von Wärme und Wasser - sagen wir mal - nicht eben durchschnittlich war, stehen die Sonnenblumen in unseren Gärten und erfreuen uns und die Insekten. Später, wenn die Blume zur Reife gekommen ist, ist ihr Inneres gefüllt mit Körnern, die zahllose Vögel anlocken.

Werden, Vergehen und sich Weiterreichen schafft die Sonnenblumen in den kurzen Sommermonaten. Um diesen schier unglaublichen

Kraftakt zu bewältigen, wohnt dieser Blume etwas inne, das auch uns als Überlebensprinzip dienen kann: Sie „weiß“ um die Kraft und Anwesenheit der Sonnen und richtet sich auch nach noch so trüben Tagen wieder neu nach ihr aus.

Was für eine Kraft, selbst in dunklen Zeiten an der Gewissheit festzuhalten: Das Licht ist da. Es will zuVincen van Gogh mir vordringen. Diese Blume kann ein Gleichnis für unsere Beziehung zu Gott sein. Wie das Licht am Himmel nicht verschwindet, sondern höchstens verborgen ist, so wacht Gott über unserem Leben. Auch dann, wenn wir ihn nicht erkennen können. Seine Liebe hört nicht auf; und wenn wir es schaffen, diese Erinnerung wach zu halten, dann brechen irgendwann erste zaghafte Strahlen wieder durch zu uns und geben Kraft zum Weitermachen. Bis der Himmel wieder aufreißt und das Leben neu erwacht.

Eine schöne Sommer- und Ferienzeit wünscht Ihnen allen,
Ihr Michael Bracht, P.




Gemälde: Vincent van Gogh,
Sechs Sonnenblumen (Ausschnitt) 1888