Nach der Furcht: Die Hoffnung

Michael BrachtSo sieht ein Triumph aus. Alle fallen, ER aber steht. Siegesgewiss. Mit einem
Bild von einem Körper. Als habe es die Schläge nie gegeben. Als könnten Peitschenhiebe und Dornen diesem Leib nichts anhaben.

Ein Triumph mit Fahne. Das Schandmal eines Kreuzes ist zu einem Fähnlein in der rechten Hand geworden. Und blau, die Farbe der Treue Gottes, weht um den schönen Körper.

SoAuferstehung sieht ein Triumph aus. Wer eben noch mächtig war, fällt einfach um. Ob mit oder ohne Rüstung. Wo Gott am Werk ist, ist kein Halten mehr. Nur noch offen.

So stellt man sich die Auferweckung vor: Als Triumph, als Machterweis, als Paukenschlag Gottes. Alles fällt, einer steht. Eine Phantasie der Mächtigkeit Gottes. Es war aber niemand dabei an jenem Ostermorgen. Und laut kann es auch nicht gewesen sein, sonst hätten die Frauen auf dem Weg zum Grab ja etwas gehört. Haben sie aber nicht. Als sie voller Trauer am Felsengrab ankommen, ist alles schon geschehen. In Stille geschehen. Kein Paukenschlag, keine Posaunen. Gottes Mächtigkeit ist still, fast heimlich. Wirkliche Macht braucht keinen Lärm. Und Gott schon gar nicht. Seine Siege sind lautlos.

Aber eindrucksvoll. So eindrucksvoll, dass wir bis heute davon leben. Wir wissen nicht, wie das damals war am Ostermorgen in Jerusalem. Wir wissen nicht, wie Gott das gemacht hat. Kein Mensch weiß, wie der Stein vom Grab verschwand. Nur eins wissen wir: Die Frauen haben das leere Grab anders gestimmt verlassen als auf dem Weg dorthin. Ihr Heimweg war ein Weg der Hoffnung. Und ist es bis heute.

Ein gesegnetes Osterfest wünscht allen Leserinnen und Lesern,
Ihr Michael Bracht, P.



Gemälde:
Campi Vincenzo: ‚Auferstehung‘
aus dem Bilderzyklus ‚Geheimnisse des Rosenkranzes‘,
16. Jahrhundert