„Euch ist heute der Heiland geboren: Christus, der Herr!“

Michael BrachtJetzt, wo das Licht merklich zunimmt und Oberhand gewinnt über das Dunkel der Winternacht, geht es in noch lichtarmer Jahreszeit um spätweihnachtlichen Kerzenschein. An Lichtmess sollen wir Lust bekommen aufs Osterlicht. Das Volk Gottes zündet Kerzen an. Wir ehren Christus als Licht der Welt.

An diesem Tag gestehen wir es uns ein: Wir sehnen uns nach wärmendem Licht, das unser Gesicht beleuchtet; nach ausstrahlendem Licht, das uns zu treuen Händen anvertraut wird. Mit Kerzen bekennen wir: Uns ist ein Licht aufgegangen, ein sehr empfindliches und unscheinbares Licht. Gott, den wir uns nur vorstellen können wie in gleißend unnahbarem Licht, wird ein nahbares Orientierungslicht.

DMarina Abramovicie Krippe in stiller, heiliger Nacht war unterbelichtet. Der, der heute „Darstellung“ feiert, betrieb nie Selbstdarstellung; auf dem Herrn und Heiland dieser Welt lag nie der Scheinwerferglanz der großen Öffentlichkeit, auch nicht die übernatürlichen Strahlen des Himmels. Jesus ging ohne Heiligenschein durch die Welt.

Im nachdenklichen Blick auf die sich verzehrenden Kerzen kommt uns das Geschick Jesu Christi nahe. Wir lassen uns wie Hanna und Simeon den in die Hand und ans Herz legen, der kein Star ist, der nur für sich leuchtet. Das Gottesbaby – es ist ein kleines Licht, das niemandem gehört (auch der Kirche und den Frommen nicht!) und das als Licht der Welt sich aus Liebe verzehrt.

Herzlich grüßt Sie, liebe Leserinnen und Leser,
Ihr Michael Bracht, P.



Foto: Marina Abramovic: "Artist Portrait with a Candle (A)" 2012
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020